Ohne Gutachten keine Erwerbsminderungsrente

Wenn der Antrag auf eine Rente wegen Erwerbsminderung gestellt worden ist, wird vom Versicherungsträger zur Feststellung der Erwerbsminderung ein Gutachten in Auftrag gegeben. Bei diesen Gutachtern handelt es sich um Mediziner, die bei der gesetzlichen Rentenversicherung in einer festen Anstellung sind. Im Einzelfall können auch externe Gutachter beauftragt werden. Die Begutachtung ist vom Gesetzgeber vorgeschrieben und muss komplett alle Aspekte der jeweiligen Erkrankung beachten und in dem Gutachten berücksichtigen. Um die versicherungsrechtlichen Voraussetzungen für eine verminderte Erwerbsfähigkeit nach § 43 SGB VI zu erfüllen, muss ein Gutachten nach dem Willen des Gesetzgebers „vollständig und umfassend“ sein.

Gutachten muss Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Krankheiten beachten

Zur Vollständigkeit eines Gutachtens zählt, dass der Gutachter auch die Wechselwirkungen zwischen unterschiedlichen Krankheiten einbezieht. Selten Krankheiten muss der Gutachter ebenfalls erkennen und hinreichend in Bezug auf die vermeintliche oder tatsächliche Erwerbsminderung beurteilen. Hierzu sind Labormessungen notwendig. Was sich in der Theorie relativ einfach anhört, führt in der Praxis nicht selten zu kontroversen Auffassungen, wenn der Gutachter zu einer Beurteilung kommt, die nicht dem subjektiven Empfinden des Versicherten entspricht. Das Vertrauen der Antragsteller könnte enorm gestärkt werden, wenn er den Gutachter selbst auswählen könnte. Da es sich bei den Ärzten um festangestelltes Personal der Versicherungsträger handelt, wird berechtigtes Misstrauen geschürt. Bei den von den Rentenversicherungsträgern beauftragten externen Gutachtern sieht es nicht besser aus. Auch hier liegt der Schluss nahe, dass die honorierten Gutachter zumindest tendenziell ihre Gutachten im Sinne der Rentenversicherung anfertigen.

Die Vorarbeit der Fachärzte wird einbezogen

Versicherte, die einen Rentenantrag wegen Erwerbsminderung stellen, dürfen nicht davon ausgehen, dass der Gutachter Zeit für eine sorgfältigen Erhebung der Anamnese hat, die erst eine genaue Diagnose ermöglicht. Wegen der Honorierung der externen Gutachter und dem Zeitlimit der angestellten Mediziner, wird das Gutachten weitgehend unter Einbeziehung der Ergebnisse der Fachkollegen erstellt. Das führt zu dem Schluss, dass es für den Antragsteller durchaus von Vorteil sein kann, wenn er in Wochen vor der Begutachtung viele Fachärzte aufsucht. Der Gutachter selbst wird die Größe, das Gewicht und den Blutdruck des Antragstellers messen, Laborwerte überprüfen und die Anamnesen der Fachkollegen auswerten.

Gegebenenfalls werden noch weitere Untersuchungen durchgeführt wie:

  • Messung des Blutzuckers
  • elektrische Impulskontrolle der Nerven
  • Hirnstrommessung
  • Röntgen bei Gelenkerkrankungen

Außerdem werden in einem persönlichen Gespräch mit dem Antragsteller vorangegangene Rehabilitationsmaßnahmen ausgewertet. Die subjektive Schilderung des Patienten stellt der Gutachter den Diagnosen der Ärzte gegenüber und entwickelt daraus seine eigene Einschätzung.